Das sprachliche Sommerloch: Sachsen und Hannoveraner
So, so. Da hat also im Juli ein Sprachwissenschaftler mit dem Schreiber einer Nachrichtenagentur geplaudert und einige krude und wirre Thesen zum Ursprung der hannöverschen Sprache entwickelt. Der Schreiber verschwurbelt die Geschichte noch mal weiter, und fertig ist eine mehr oder weniger alberne Agenturmeldung, die leider auch von den lokalen Zeitungen ungeprüft übernommen und in einem Fall sogar auf Seite 1 präsentiert wurde. (Sind Redakteure inzwischen nicht mehr vorhanden?)
"Hannoveraner sprechen Sächsisch", das war die Kernaussage dieser Bullshit-Mitteilung. Martin Luthers Bibelübersetzung sei seinerzeit von den Hannoveranern ohne Kenntnis der korrekten sächsischen Aussprache (Luther war Sachse) gelesen und gesprochen worden, und so sei die hannöversche Sprechweise entstanden.
Aha. Wir gehen also "nache Omma hin" oder sind "im Gachten", weil unsere Vorfahren zu doof waren, anständig sächsisch zu sprechen. Da hat sich aber ein "Sprachwissenschaftler" ganz bedenklich das Hirn ausgerenkt, um uns mit dieser Erkenntnis zu beglücken.
Fakt ist, dass die hannöversche Sprechweise aus dem ostfälischen Platt hervorgegangen ist, dass Luthers Bibelübersetzung in keinster Weise rein sächsisch war und dass es tatsächlich enge historische Beziehungen des Sachsen zu Niedersachsen gibt, die aber keine Relevanz für unsere hiesige Sprechweise haben.
Facts hierzu:
http://www.bild.de/BILD/regional/hannover/aktuell/2010/07/21/ei-verbibbsch/die-echten-sachsen-leben-in-hannover.html
Sehr ausführlich und gründlich:
http://www.ins-bremen.de/de/texte/geschichte-des-plattdeutschen/plattdeutsch-vorgestern.html Alle Beiträge unserer Kolumne findest Du hier
