Am 21.07.2007 habe ich zufällig gegen Mitternacht mit Jochen Krause am Bertha-von-Suttner-Platz in hannovers Südstadt ein paar Pils trinken können. Dabei kamen wir unweigerlich auf den hannöverschen Dialekt und die Sprachfärbung, mit der wir beide - auch wenn zwischen uns ein paar Jahre lagen - in Hannover großgeworden sind.

Aus diesem Gespräch ist die Idee zu dieser Seite entstanden, mit der wir ein Tonarchiv für das Hannöversche erstellen wollten. Martin war schnell begeistert, das mit uns gemeinsam zu tun.

Seitdem pflegen wir dieses Tonarchiv und haben damit - wie wir mit der Zeit feststellen durften - ein kleines Stück Kulturgut dieser Stadt geschaffen.

Nach Jochens plötzlichen Tod Anfang Februar 2012 steht für Martin und mich fest, dieses Stück Bewahrung weiterzuführen und immer weiter auszubauen. Unser Schirmherr Stephan Weil hat uns auf Jochens Trauerfeier in dieser Entscheidung in warmen Worten bekräftigt.

Wenn Ihr also in Eure Verwandt- oder Bekanntschaft Sprecher habt, die sich hier im Archiv wiederfinden sollten, dann benutzt bitte unser Kontaktformular!

Vielen Dank für die tolle Unterstützung.

Christian


Martin Jürgensmann

Ich bin zwar in Hannover geboren, aber meine Eltern kommen beiden nicht von hier. Meine Mutter aus Sachsen und mein Vater aus’m Ruhr-Pott.

Beide hatten sich ihren Dialekt eigentlich komplett abgewöhnt. Entsprechend hatten wir Kinder, mein Bruder Frank und ich, auch keinen und unsere Ohren waren noch aufnahmefähig quasi „unbespielt“.

Schon in der Grundschule fiel mir der hannoversche Genitiv auf. „Kann ich mal das Ratzefummel?“ „Is Dirk seins, musste ihn fragen“.

Wir waren alle Kinder, Jahrgang 1967.

Richtig heftig wurde es bei den Älteren im SPD Ortsverein, wo meine Eltern aktiv waren. Ich erinnere mich an Ur-Ricklingerin Inge, Jahrgang 1933, die mich auf dem Stadtweg fragte: “Mensch Machtin, wachste nachen Achzt hin?“ Das war für mich wie eine Initialzündung! Von da ab hab ich solche Sprüche und Dialektfetzen gesammelt. Ganz oben in meinem persönlichen Ranking steht immer noch „Is doch goch kan Thema“, das eingesetzt wurde für „selbstverständlich“ oder „natürlich“.

1993 dann der glückliche Zufall: Ich lernte Jochen kennen, der nicht nur auch Sprüche gesammelt hatte, nein, er konnte schon fließend wie ein hannoverscher Ur-Einwohner des Jahrgangs 1920 sprechen. Herrlich! Seitdem sind wir ein „sprachliches Paar“. Besonders stolz bin ich darauf, dass „Siggi und Raner“ von den „echten“ Sprechern nicht als „Verarsche“ empfunden werden, sondern eher als gute Freunde. Sie sind stolz auf uns und damit auch auf sich selbst. Wir werden oft von ihnen eingeladen und sie freuen sich, dass ihre Sprache weitergelebt wird. Deshalb machen wir diese Homepage!

Mittlerweile bin ich bei NDR1 und zeige mein Hannöversch auch in der Rolle als Schlüsselschorse.

Christian Bredlow

"Hannover, meine Heimat, der Ursprung meiner Laufbahn, zieht sich durch mein Curriculum vitae und ich bin drauf, mann" [aus: Nocoast / Die Kisten / VÖ 1999]
Ich habe schon damals als Frontmann der hannoverschen Hip-Hop-Band Die Kisten versucht, meiner Heimatstadt etwas ganz Besonderes zurückzugeben und Danke zu sagen. Hat nie richtig erfolgreich geklappt und deshalb gibts jetzt dieses Projekt.

Als bekennender Südhannoveraner war ich nicht nur als Fan von Siggi&Raner mit der hannöverschen Sprache konfrontiert, sondern habe auch in diversen Fußballtrainern und Kneipenwirten die Meister dieses Dialekts gefunden. "Lieber die Krätze und die Gicht, als den Sechser san Gesicht" - ich denke, jeder Boker dieser Stadt hat von diesen Dingern ein paar mehr in Petto.

Seit 2015 bin ich mit meiner Digital Mindset GmbH als Lotse unterwegs und helfe Unternehmen bei der erfolgreichen Digitalisierung. In meinen Keynotes mache ich neben Zeitreisen auch gerne musikalische Ausflüge und gerne mal den aanen oder anderen hannöverschen Versprecher.

 

In Erinnerung am Jochen hier auch noch seine Einleitung für diese Website.

Jochen Krause

Geboren wurde ich in der Gemeinde Eystrup im Landkreis Nienburg/Weser, mit 3 Jahren bin ich dann mit meinen Eltern nach Hannover gezogen.
Das war eine fremde Welt für das Kind schlesischer Flüchtlinge,
eine große Stadt, wo die Menschen für mich sehr merkwürdig sprachen.
Der "Fleischer " war ein "Schlachter", und ratlose Blicke die Reaktion auf meinen Wunsch nach einem halben Pfund "Gewiegtes". Das hieß hier "Mett" oder "Hack".
Und als ein Nachbarskind beim Beobachten von Tauben voller Respekt sagte:" Kuck mal, das pickt der Taube alles mit ihn seine lange Nase", war mir spätestens klar, dass es hier sprachlich einiges zu entdecken gab.

Das hab ich dann auch gemacht. Einmal indem ich Linguistik studierte mit dem Schwerpunkt alltagssprachliche Kommunikation und indem ich zusammen mit Martin die Figuren "Siggi und Raner" entwickelte, die hoffentlich der hannöverschen Sprache ein kleines Denkmal gesetzt haben.

Ansonsten kann man vielleicht noch erwähnen, dass ich bevorzugt Dinge tue, die grade nicht "hip" sind. Z.B. in zu großen amerikanischen Autos fahren, Country-Music hören und Aquarienfische züchten…

 

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